Foto: Bernd Herzog-Schlagk, FUSS e.V.)

Es wurden folgende drei Fragen zur Verkehrsmittelwahl gestellt:

Die Befragung konzentrierte sich hauptsächlich auf die Belange des Fußverkehrs, da sie Teil der Zielgruppen-Recherchen für die Erarbeitung von kommunalen Fußverkehrsstrategien darstellt (siehe www.fussverkehrsstrategie.de).

Eine kurze Erläuterung der Methode finden Sie am Ende.

Verkehrsmittel junger Menschen

Es mag nicht verwundern, dass fast 80 % der befragten jungen Menschen öffentliche Verkehrsmittel häufig benutzen und lediglich 20 % angaben, dass sie dies seltener tun. Erstaunlich ist es dagegen, dass über 70 % häufig zu Fuß unterwegs sind, nur 30 % „seltener“ angaben und als einziges Verkehrsmittel logischerweise niemand der Befragten angab, „nie“ Fußgänger zu sein. Dagegen ist die Fahrradnutzung selbst in dieser Altersgruppe mit über 35 % noch immer nur halb so ausgeprägt, wie das Zu-Fuß-Gehen. Unerwartet, dass damit fast 65 % angaben, das Fahrrad nur selten oder nie (33 %) zu benutzen.

 

 

Nur wenige der Befragten gaben an, das Auto als FahrerIn (knapp 8 %) bzw. MitfahrerIn (13 %) häufiger zu nutzen, obwohl mehr als 70 % der Befragten einen Führerschein haben könnten. Wenn die Aussagen dieser punktuellen Befragung übertragbar sind, könnte negativ daraus gefolgert werden, dass Aktivitäten zur nachhaltigeren Verkehrsmittelwahl bei dieser Generation kaum zu einer Veränderung des Modal-Split zugunsten des Umweltverbundes führen werden. Es sind lediglich Veränderungen und Verschiebungen zwischen dem Fuß-, Rad- und ÖPNV-Anteil zu erreichen und dies kann nicht Ziel einer klimaorientieren Verkehrspolitik sein. Positiv gefolgert werden könnte, dass es jetzt darauf ankommen muss, diese Generation auch zukünftig stärker an den Umweltverbund zu binden.

Kriterien für die Verkehrsmittelwahl

Nach Aussagen der jungen Leute standen bei ihnen die „Zeitersparnis“ und die „Selbstbestimmtheit“ mit etwa 75 % der Nennungen an der Spitze der Entscheidungskriterien für die Verkehrsmittelwahl. Dann folgten die „Bewegung“ mit über 60% und die eigene „Gesundheit“ sowie die Kosten mit jeweils knapp 60%. Daraus kann durchaus gefolgert werden, dass die jungen Leute am Zu-Fuß-Gehen und am Radfahren aus diesen beiden Beweggründen starkes Interesse haben. Dagegen spielt die „Nachhaltigkeit“ im Sinne des Umweltschutzes mit etwa 40 % offensichtlich eine geringere Rolle und die „Verkehrssicherheit“ wurde lediglich von etwa 20 % der Befragten als wesentlich genannt.

 

 

Bei einer parallel durchgeführten Befragung von Fachleuten vermuteten dagegen 95 %, dass die eigene „Gesundheit“ und die „Nachhaltigkeit“ bei jungen Menschen weniger oder kein Kriterium für die Verkehrsmittelwahl darstelle und die „Bewegung“ (90 %) ebenfalls eine geringere Rolle spielt. Mehr darüber in der Rubrik Fachbefragung.

Hauptgründe für das Zu-Fuß-Gehen

Bei der Straßenbefragung von jungen Leuten standen die „unkomplizierte Zurücklegung kurzer Wege“ mit über 80 % und die „Erreichung öffentlicher Verkehrsmittel“ mit etwa 75 % an der eindeutigen Spitze der Gründe für das Gehen. Darauf folgten der „Fitness“-Aspekt des Gehens mit knapp 50 % der Nennungen. Von mehr als 40 % wurde als Grund genannt, dass andere der Altersgruppe auch unterwegs sind, und von knapp 40 % der „Spaziergang“, um sich mit anderen zu unterhalten. Mit nur 20 % der Nennungen ziemlich abgeschlagen wurden als Grund „fehlende Alternativen“ genannt. Die jungen Leute sind also stark daran interessiert, durch Gehen fit zu bleiben und sich beim Spaziergang zu unterhalten und sie tun dies offensichtlich bewusst und freiwillig.

 

 

Die Ergebnisse der Befragung von Fachleuten lieferte auch hier teilweise ein völlig anderes Bild: 70 % vermuteten, dass den jungen Leuten Alternativen zum Zu-Fuß-Gehen fehlen. Für bedeutungslos wurde als Grund der Spaziergang, um sich zu unterhalten (15 %) und um fit zu bleiben (0 %) eingestuft. Mehr darüber in der Rubrik Straßenbefragung.

Antworten auf die Fragestellung, was die jungen Leute zu mehr Gehen anregen könnte, finden Sie unter Motivation zum Gehen.

Erläuterung der Methode:

Die 52 Befragungen von Jugendlichen ab dem Alter von 13 Jahren bis zu jungen Erwachsenen im Alter von 25 Jahren (Durchschnittsalter 20 Jahre, davon 27 männlich und 25 weiblich) zu ihrem Verkehrsverhalten waren nicht sehr einfach durchzuführen, obwohl die Interviewer ebenfalls junge Erwachsene in der gleichen Altersgruppe waren. Auffällig war, dass die Angesprochenen entweder deutliches bis überbetontes Desinteresse bekundeten oder überaus redselig reagierten. Einzelpersonen waren schüchtern und/oder in Eile, Gruppen ab drei Personen waren kaum ansprechbar und fühlten sich in ihren Gesprächen gestört. Zweier-Gruppen waren am leichtesten anzusprechen, wobei in der Regel nur eine Person die Fragen beantwortete und die andere Person dem Gesagten eher zustimmte und sich nur bei der Frage nach der Motivation beteiligte. Dadurch kann man die Fallzahlen fast verdoppeln, wobei allerdings nicht klar ist, ob eine Einzelbefragung wirklich zu den gleichen Ergebnissen führen würde.

Die Befragungen sollten ursprünglich in unmittelbarer Nähe von Schulen in den Pausenzeiten durchgeführt werden. Dies erwies sich als nicht zielführend, da der Unterricht offensichtlich nicht nach Unterrichtsplan unterbrochen wurde. Letztlich fanden die Befragungen im normalen Stadtgeschehen am S-Bahnhof Wedding, am U-Bahnhof Voltastraße, am U-Bahnhof Pankstraße und am Rosenthaler Platz an drei Tagen durch zwei Personen statt.

Unterschiede zwischen den Aussagen von männlichen und weiblichen Teilnehmenden wurden bei dieser Befragung nicht gesondert untersucht.

Foto: Prof. Dr. Oliver Schwedes

Im Sommersemester 2016 wurde im Fachgebiet „Integrierte Verkehrsplanung“ der Technischen Universität Berlin, geleitet durch Prof. Dr. Oliver Schwedes, ein neues Lehrmodul Die Zukunft urbaner Nahmobilität – Fuß- und Radverkehr gestalten eingerichtet. Im Anschluss an die Vorlesung „Fußverkehr I“ durch Dr. Thorben Prenzel vom BUND am 20. Juni 2016 wurde eine Begehung mit dem Motto „Stadt wahrnehmen!“ durchgeführt. Die von Dipl .Ing. Bernd Herzog-Schlagk von FUSS e.V. vorbereitete und geleitete Exkursion mit insgesamt 30 Studentinnen und Studenten hatte als Fußverkehrs-Audit oder –Check ein bisher nicht erprobtes Format.

 

Ziel

Entwickelt wurde das Konzept, um zukünftige Planerinnen und Planer im Master-Studiengang zu einer Grob- und Detail-Analyse des öffentlichen Raumes aus der Sicht von Fußgängerinnen und Fußgänger zu motivieren und anschließend die eigenen Eindrücke mit den Wahrnehmungen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu vergleichen und zu diskutieren. Der Anbieter der Exkursion hatte darüber hinaus großes Interesse daran, im Rahmen des Projektes „Handlungsleitfaden für Fußverkehrsstrategien“ www.fussverkehrsstrategie.de herauszufinden, welche Aspekte für zukünftige Planungen von Fußverkehrsanlagen für junge Leute besonders relevant sind.

 

Wahrnehmung ist „ein komplexer Prozess der Informationsgewinnung durch die Verarbeitung von Reizen. Die Reizverarbeitung erfolgt nach subjektiven Kriterien, [d.h. jeder Mensch] nimmt (aufgrund individueller Erfahrungen und vorheriger Lernprozesse) individuell wahr.“(2) Es geht darum, die von den Sinnesorganen (Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken) eintreffenden Informationen auszuwählen, zu ordnen und zu interpretieren. (3) „Ein wichtiger Parameter der Wahrnehmung ist die Aufmerksamkeit.“ (2) „Das, was wir lernen und woran wir uns erinnern, ist zum Großteil eine Funktion der Aufmerksamkeit.“ (4) Walk and notice bedeutet „Zu-Fuß-gehend beachten“ (und nicht notieren)

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Vorgehensweise

Begangen wurde ein innerstädtisches Straßennetz mit 7 kurzen Straßenabschnitten und 8 Querungsanlagen auf einer Länge von knapp zwei Kilometern zwischen zwei Plätzen in Berlin-Charlottenburg. Dafür standen insgesamt nur 90 Minuten zur Verfügung. Deshalb und weil die Straßen häufig mit sehr viel Autoverkehrslärm belastet waren, konnten nicht alle aufgeworfenen Fragestellungen vor Ort ausführlicher diskutiert werden. Es lagen aber anschließend von alle Studentinnen und Studenten in der Regel sehr ausführliche Begehungsprotokolle vor.

Erste Phase

Die Studentinnen und Studenten wurden darum gebeten, auf einem sehr genau festgelegten Weg zwischen zwei sehr unterschiedlichen Plätzen etwa 45 Minuten lang möglichst mit niemandem zu sprechen, die Handys auszuschalten und jeder für sich die Eindrücke festzuhalten. Sie hatten dafür eine Wegeprotokoll-Vorlage mit einer Wegeskizze erhalten, die in 17 Bereichen unterteilt war. Es wurde darum gebeten, jeden einzelnen Straßenabschnitt und jede einzelne Querungsanlage auf diesem Weg als „eher positiv“ oder „eher negativ“ zu beurteilen und dies auch zu begründen. „Zwischenbeurteilungen“ waren ganz bewusst nicht vorgesehen. Als Zusatzaufgabe wurde darum gebeten, auch für andere Verkehrsteilnehmerinnen mitzudenken, die nicht so schnell gehen können, körperlich kleiner oder mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind bzw. eine Seh- oder Hörschwäche haben.

Zweite Phase

Nach dem Treffen am Endpunkt, wurde der gleiche Weg innerhalb von 45 Minuten als Gruppe im Format einer Ortsbesichtigung gemeinsam zurück gelegt. An jedem Punkt wurde durch den Exkursionsleiter abgefragt, wer ein „+“ oder ein „-„ gesetzt hat und anschließend wurden insbesondere die „Minderheiten-Eindrücke“ abgefragt und diskutiert.

Resultat

Durch die Methode kamen fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Wort und konnten sich einbringen. Die Vielfalt der unterschiedlichen Wahrnehmungen des öffentlichen Raumes und auch das sich Hineindenken in Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen war beeindruckend. Es ging um kleinste Details und um straßenplanerische Konzepte. Die Gespräche und Aufzeichnungen machten deutlich, dass fußverkehrsrelevante Fragestellungen sehr differenziert betrachtet werden müssen. Die ausführliche Auswertung der Wege-Protokolle gibt einen guten und handlungsorientierten Überblick über die Herausforderungen, die mit dem Wunsch einer Förderung des Fußverkehrs verbunden sind. Herauskristallisiert werden konnten daraus Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur aus der Sicht junger Fachleute.

Übertragbarkeit

Die Methode „walk and notice – Stadt wahrnehmen!“ ist sehr einfach übertragbar und benötigt keine technischen Hilfsmittel. Die Studentinnen und Studenten hatten ein Klemmbrett oder eine feste Unterlage zur Hand. Eine solche Erfassung kann durchaus auch im Rahmen der Bürgerbeteiligung erfolgen. Die Vorbereitung der Wegeführung kann allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Weg zumindest einen Spannungsbogen mit recht unterschiedlichen Eindrücken beinhalten sollte und gleichzeitig nicht zu lang sein darf.

Einordnung der angewandten Methode

Foto: Prof. Dr. Oliver Schwedes

Es gibt verschiedene Methoden, die bei Erhebungen zum Einsatz kommen, z.B. Momentaufnahmen, teilnehmende und nichtteilnehmende oder Experten-Beobachtungen, Befragungen, Betroffenen-Begehungen, etc. Die hier dargestellte Methode „walk and notice - Stadt wahrnehmen!“ ist den häufig angewandten Momentaufnahmen zuzuordnen. Ihnen ist gemein: „Die beobachtende Person schreitet durch den festgelegten Perimeter und registriert alle Aktivitäten, die sich in seinem Blickfeld befinden.“ (1)

Im Rahmen der recht vielfältigen Schwerpunktsetzungen dieser Vorgehensweise, von der bereits 1972 entwickelten „Burano-Methode“ über das 1986 vom FUSS e.V. erstmals eingesetzte „Blitzlicht“ oder der „Scanner-Methode“ bis hin zu den Audits und Fußverkehrs-Checks nimmt „walk and notice - Stadt wahrnehmen!“ eine Sonderstellung ein, weil hier nach einer konsequenten Einzelbeobachtung eine Ortsbesichtigung mit Diskussion und fachlicher Betreuung folgte. Es ging also nicht allein um die Erhebung von Daten; das Verfahren ist darüber hinaus als ein Teil der Lehre und Ausbildung einsetzbar.

Bei der Umsetzung zeigte sich, dass die beteiligten Studentinnen und Studenten fast alle in der Literatur für „die Aneignung des öffentlichen Raums durch Menschen“ zusammen gestellten Kriterien und Aspekte in ihrer Beobachtung einbezogen haben:

  • „Bauliche Umgebung, städtebauliche Struktur
  • Flächengliederung (Fahr-, Geh- und Aufenthaltsbereiche)
  • Nutzungsgefüge (Erdgeschossnutzungen, Nutzungen im öffentlichen Raum etc.)
  • Elemente im öffentlichen Raum (Freiraumelemente, Bepflanzung, Bäume, Sitzmöglichkeiten, ÖV-Haltestellen, Fussgängerstreifen, Brunnen, Treppen, Mäuerchen, auch kleine Elemente etc.)
  • Wegwahl, Wechselwirkungen mit anderen Verkehrsmitteln (MIV, ÖV, Velo)
  • Personenmerkmale und deren Aktivitäten
  • Soziale Interaktionen zwischen Menschen
  • Klima (Besonnung, Schatten, Wind…)“ (1)

 

Quellen:

  1. Flükiger, Samuel und Leuba, Jenny: Qualität von öffentlichen Räumen. Methoden zur Beurteilung der Aufenthaltsqualität, Fussverkehr Schweiz (Hrsg.), Zürich, 2015
  2. https://www.uni-due.de/edit/lp/common/einf_wahrnehmung.htm
  3. Mietzel, Gerd: Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens, Verlag für Psychologie, Göttingen, 1998, S. 129
  4. Lefrancois, Guy R.: Psychologie des Lernens, Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg, 1994, S. 160

 

Weiterführende Literatur:

  1. Jan Gehl: Städte für Menschen, jovis Verlag GmbH, Berlin, 2015
  2. Harald Heinz: Schöne Straßen und Plätze – Funktion Sicherheit Gestaltung, Kirschbaum-Verlag, Bonn, 2014
  3. Helmut Holzapfel: Urbanismus und Verkehr – Bausteine für Architekten, Stadt- und Verkehrsplaner, Springer Vieweg, Wiesbaden, 2. Aufl. 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Prof. Dr. Oliver Schwedes

Bei der Momentaufnahme durch zukünftige Planerinnen und Planer wurde erfasst,

  • welche Hemmnisse gegen das Zu Fuß Gehen und
  • welche Wünsche für eine intensivere Beteiligung als Fußgängerin oder Fußgänger im städtischen Straßenverkehr

durch junge Menschen von dieser Zielgruppe überhaupt erwähnt werden.

Die Antworten wurden gegliedert in Angaben zu

Eine kurze Erläuterung zur Auswertung finden Sie am Ende der Seite.

Gehwege

Die Bewertung von Straßenabschnitten fiel sehr unterschiedlich aus: Nur drei Straßenabschnitte in verkehrsberuhigten Bereichen wurden fast einheitlich positiv; dagegen drei Abschnitte bis zu einem Drittel, ein Abschnitt etwa zur Hälfte und ein Abschnitt fast zu zwei Drittel negativ bewertet.

Bei der Befragung wurden ausdrücklich die unebenen Beläge der Gehwege – insbesondere auch in Bereichen von Ausfahrten - (46 Nennungen), das Fehlen einer Möblierung - insbesondere von Sitzgelegenheiten - und damit eine schlechte Aufenthaltsqualität (31), auf Gehwegflächen parkende Kraftfahrzeuge (27) und der zu hohe Lärmpegel (23) bemängelt (jeweils von insgesamt 187 Nennungen). An zweiter Stelle standen eine zu geringe Gehwegbreite (13), eine behindernde Baustellensituation (12) sowie der zu geringe Grünflächenanteil. Darüber hinaus wurden im Einzelnen genannt: der ungepflegte Stadtraum (6), fehlende Beleuchtung (5), die fehlende Trennung von Fuß- und Radverkehr (5), eine unklare Wegeführung (5), Müllcontainer auf dem Gehweg (3) und störender Geruch (3).

Bei den positiven Aspekten wurden breite Wege und ein gutes Platzangebot (97 Nennungen), ein möglichst großer räumlicher Abstand und eine gute optische Trennung zur Fahrbahn z.B. durch Bepflanzungen (90), Ruhe (47) sowie ein gutes Angebot von Stadtmöbeln – insbesondere Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Mülleimer- (39) genannt (jeweils von insgesamt 380 Nennungen). Häufiger wurden das geringe Kraftfahrzeug-Aufkommen begrüßt (19), der gute Zustand der Gehweg-Beläge (17), die gute Aufenthaltsqualität und damit der angenehme Straßenraum (12), das Vorhandensein von Cafés, Restaurants, Geschäften (9) und die separate Führung des Radverkehrs (8). Im Einzelnen fielen zudem eine interessante Randbebauung (6) übersichtliche Situationen und eine gute Raumausnutzung der Geh- und Aufenthaltsbereiche auf (4).

Als weitgehend angenehm empfunden wurde die Weimarer Straße in Berlin-Charlottenburg (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich folgende Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Gehwegen aus der Sicht junger Fachleute ableiten. Für besonders wichtig gehalten werden:

  • Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Mülleimer und andere Möblierungen von Flächen für die Nutzung und den Aufenthalt im Straßenraum;
  • ein gut genutztes Flächenangebot, ein möglichst großer räumlicher Abstand sowie eine gute optische und lärmtechnische Trennung zu den Flächen für den Kraftfahrzeugverkehr;
  • die Qualität der Wegebeläge, deren Beleuchtung und die Übersichtlichkeit in der Wegeführung sowie ein möglichst großer Grünflächenanteil sowie
  • die separate Führung des Radverkehrs.

Weitere Wünsche ergeben sich aus der oben angegebenen Zusammenfassung der negativen und positiven Aspekte.

Querungsanlagen

Querungsstellen wurden mit Ausnahme von zwei Übergängen in verkehrsberuhigten Bereichen alle deutlich überwiegend negativ beurteilt, nur eine davon erreichte knapp ein Drittel positive Beurteilungen.

Bei der Befragung standen die eingeschränkte Sichtbeziehung oder gar die Verhinderung der Nutzung von Querungsanlagen durch falsch abgestellte Kraftfahrzeuge an erster Stelle der Nennungen (60), gefolgt von fehlenden gesicherten Überwegen, verbunden mit einem zu langen Umweg (49), der ungünstigen Führung von Radfahrspuren im Kreuzungsbereich (21) und der Lärmbelästigung (18, jeweils von insgesamt 288 Nennungen). Darüber hinaus wurden fehlende Bordsteinabsenkungen (14), zu lange Wartezeiten (15), zu kurze Grünzeiten an Lichtsignalanlagen (13) und zu schmale Mittelinseln (13) bemängelt. Negativ bewertet wurden die schlechte Absicherung von Baustellen im Übergangsbereich (14), störende Poller (7) und auch zu lange Querungswege (6).

Bei den positiven Bewertungen wurden kurze Querungswege z.B. durch Fahrbahnverengungen (55 Nennungen), wiederum gute Sichtbeziehungen (44), im Wiederspruch zu den negativen Aspekten das Sicherheitsgefühl durch Poller (35) und die farbliche Abgrenzung des Überweges gegenüber der Fahrbahn (33) hervorgehoben (jeweils von 274 Nennungen). Darüber hinaus genannt wurden die Verkehrsberuhigung (23), breite Mittelinseln (19) und die Verhinderung des Falschparkens (10). Erstaunlich war, dass auch gerade in Kreuzungsbereichen Grünanlagen (14) und Sitzmöglichkeiten (8) gefordert wurden. Weitere Aussagen auf der Positiv-Seite entsprechen denen der Problemschilderungen mit anderen Vorzeichen.

Kaum Mängel angegeben wurden bei der Querungsanlage über die Schillerstraße (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich folgende Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Querungsstellen aus der Sicht junger Fachleute ableiten. Für besonders wichtig gehalten werden:

  • gute Sichtbeziehungen zwischen Fußgängerinnen und Fußgängern und den anderen Verkehrsteilnehmenden, z.B. durch Maßnahmen zur Verhinderung von Falschparken;
  • kurze Querungswege z.B. durch Fahrbahnverengungen im direkten Wegeverlauf, die deutlich gekennzeichnet sind;
  • fußgängerfreundliche Ampelschaltungen und breite Mittelinseln sowie
  • die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten.

Umstritten blieb, in welchen Fällen Poller in Übergansbereichen negativ (7) oder positiv (35 Nennungen) einzuschätzen sind. Weitere Wünsche ergeben sich aus der oben angegebenen Zusammenfassung der negativen und positiven Aspekte.

Plätze

Bei der Bewertung des innerstädtischen Platzes direkt neben einer flächenmäßig sehr großen Kreuzungsanlage mit großem Kreisverkehr waren sich die Teilnehmenden uneinig (die Hälfte negativ, die andere Hälfte positiv). Fast eindeutig war dagegen die positive Beurteilung eines ebenfalls recht großen innerstädtischen Platzes inmitten eines verkehrsberuhigten Bereiches.

In der Befragung stand der Lärmpegel (12 Nennungen) an der Spitze der negativen Beurteilungen, gefolgt von der ungünstigen Anlage des Fahrradweges (9) und der Trennung von Grünflächen durch einen Fahrweg (6, jeweils von 51 Nennungen). Kritisiert wurde darüber hinaus das Potenzial nicht vernünftig genutzter Freiflächen (5), die fehlende Barrierefreiheit (4), fehlende Sitzmöglichkeiten (4) und Grünflächen (4) sowie zu schmale Fußwege (3).

Positiv bewertet wurde in erster Linie die Großzügigkeit der Platzanlage und der Wege (17 Nennungen), die Begrünung (16) und allgemein die hohe Aufenthaltsqualität (15, von jeweils 92 Nennungen). Konkreter wurden die zahlreichen Sitzmöglichkeiten auch auf Treppenstufen (10), die vorhandenen Spielplätze (9), die Situation als ein sozialer Treffpunkt (6), der historische Charakter mit der Kirche und der Randbebauung (3) sowie die Ruhe (3) genannt.

Hohe Aufenthaltsqualität wurde dem Karl-August-Platz zugebilligt. (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich nur wenige Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Stadtplätzen aus der Sicht junger Fachleute ableiten, da hier nur zwei sehr unterschiedliche Stadtplätze beurteilt wurden. Als allgemeine Aussagen können davon folgende Anforderungen genannt werden:

  • ein möglichst geringer Lärmpegel;
  • zusammenhängende Flächen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten durch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen (sitzen, spielen, Barrierefreiheit, etc.),
  • viel Grün und
  • großzügige Wegesysteme.

 

Erläuterung

Von 30 Personen (19 männlich, 8 weiblich, 3 ohne Angabe, Durchschnittsalter 27 Jahre) wurden die Wege-Protokolle ausgewertet. In den Bewertungen wurden keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmenden festgestellt.

Interpretationen wurden weitestgehend vermieden. Die Aussagen mussten allerdings teilweise für die hier behandelte Thematik umformuliert werden. Auf eine formal korrekte Zitierweise aus den ohnehin anonymen Bögen wurde zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichtet, die Aussagen wurden in der Auswertung der Wege-Protokolle im Original abgebildet.

Abgefragt wurden die Eindrücke an 7 kurzen Straßenabschnitten, 8 Querungsanlagen und zwei Plätzen. Die in Klammern gesetzte Anzahl der Nennungen kann lediglich als eine Trendaussage verstanden werden, da die Angaben sehr stark auf die örtliche Situation bezogen sind.

 

Sie finden Informationen zur angewandten Methode und eine ausführliche Auswertung der Wege-Protokolle mit Fotos, die eine genauere Zuordnung der Aussagen zu den Straßenabschnitten, Querungsanlagen und Plätzen zulassen.

 

 

 

Informationen des FUSS e.V. zu diesen Thema finden Sie auch in unserem Online-Shop in der Kategorie Broschüren > Rubrik "Fußverkehr - Queren".