Es handelt sich um eine Auswertung einer (offenen) Befragung von Fachleuten aus Verbänden, Institutionen und Universitäten, welche Infrastrukturmaßnahmen und Serviceangebote ihrer Meinung nach junge Menschen mehr zum Gehen motivieren würden. Dabei wurde nicht darauf geachtet, inwieweit dies ganz speziell auf die Zielgruppe „junge Leute“ ausgerichtete Vorschläge waren, da Überschneidungen ohnehin nicht auszuschließen sind. Die Aussagen wurden gegliedert in Angaben zu

Gehwege, Gehwegnetze und Querungsanlagen

  • Die befragten Fachleute wünschen sich für die jungen Menschen angenehme, schöne Wege, ohne viel Autoverkehr, wo man sich unterwegs treffen und reden kann und sich wohl fühlt (Aufenthaltsqualität).
  • Wichtig ist ein ausreichender Bewegungsraum, mit punktuellen Angeboten zum schauen, hüpfen, klettern, sitzen, etc.
  • Die Wege sollen gut ausgeleuchtet sein und in Teilstecken auch Wetterschutz bieten.
  • Ein attraktives und möglichst sicheres Fußwegenetz erlaubt es den Erwachsenen, junge Menschen möglichst frühzeitig alleine „herumziehen zu lassen“.
  • Junge Leute freuen sich über Abkürzungen und Schleichwege, um auf ihnen schneller am Ziel sein zu können als es motorisierte Fahrzeuge schaffen.
  • Wesentlich ist eine ausreichende Anzahl von fußgängerfreundlichen Querungsanlagen.
  • Die Querungswege und die Wartezeiten an Lichtsignalanlagen sollten möglichst kurz sein.
  • Auf Unterführungen ist zu verzichten.

Plätze und Ausstattungselemente

  • Für junge Leute sind Plätze wichtig, wo sie sich ungestört treffen können, die einerseits Öffentlichkeit und andererseits auch Privatheit gewährleisten.
  • Dabei sollten die Aufenthalts- und Bewegungsräume Sonnenplätze, Beschattung durch Bäume und auch wettergeschützte Bereiche bieten.
  • Gewünscht wurden Plätze mit „Erlebnis-Charakter“ oder „Erwachsenenspielplätze“ (Rollschuhplätze, kleine Spielgeräte für größere Menschen wie Stehkarussells, Bodentrampoline, etc.) im Sinne der Förderung von Walkability.
  • Attraktive Sitzmöglichkeiten müssen den sozialen Austausch in einer Gruppe zulassen. Empfohlen werden deshalb multifunktionale Sitzgelegenheiten - weg von der klassischen Bank -, auf denen man sich gegenüber sitzen und auch verschiedene Höhen und Sitzhaltungen einnehmen kann (z.B. Jugendbank).
  • Sinnvoll sind Abfallbehälter an Stellen, wo sich Jugendliche in Gruppen aufhalten.

In diesem Zusammenhang sei auf die Gestaltungs-Ideen einer Studiengruppe der Beuth-Hochschule in Berlin verwiesen, einen kleinen Einblick finden Sie unter

www.flaniermeile-berlin.de> weitere Vorschläge aus dem Studienprojekt: Straßenraum Unter den Linden > Elemente für den öffentlichen Raum.

Weitere Vorschläge

  • Junge Leute möchten und müssen stärker in Planungsprozesse eingebunden werden.
  • Wichtig für ihre Mobilität sind besser aufeinander abgestimmte und dichtere Frequenzen des öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV insbesondere in der Abend- und Nachtzeit.
  • Auch junge Leute profitieren von der Stadt der kurzen Wege, auch sie wollen ihre Zeit nicht unnütz auf langen Wegen im Auto verbringen.
  • Sollen Jugendliche das Gehen als Selbstverständlichkeit empfinden, müssen die Erwachsenen Vorbild sein und sie ganz früh heranführen (Kita-, Schulwege zu Fuß, zum Spielplatz gehen, etc.).
  • Die privaten und gesellschaftlichen Kosten des motorisierten Individualverkehrs MIV sollten gerade gegenüber jungen Leuten deutlicher herausgestellt werden, weil in diesem Lebensabschnitt häufig die Wünsche groß sind und das zur Verfügung stehende Geld knapper ist.
  • Unbedingt notwendig sind qualifizierte Online-Stadtpläne mit Routenwahl und Minuten-Angaben sowie mit einer Vernetzung zum ÖPNV.
  • Empfohlen wurden darüber hinaus spannende „Locations“ entlang von Wegen, WLAN-Hotspots in der Stadt, Fußgängerampeln mit Computerspielen integriert, ein Videowettbewerb „dein Lieblingsweg zu Fuß“ oder „Walk challenge“, ein Wettbewerb, bei denen Fuß-Kilometer per App gesammelt werden.

Ergänzend oder auch vergleichend werden die Aussagen aus den Straßenbefragungen von jungen Leuten sowie die Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur aus der Sicht junger Fachleute empfohlen.