Foto: Prof. Dr. Oliver Schwedes

Bei der Momentaufnahme durch zukünftige Planerinnen und Planer wurde erfasst,

  • welche Hemmnisse gegen das Zu Fuß Gehen und
  • welche Wünsche für eine intensivere Beteiligung als Fußgängerin oder Fußgänger im städtischen Straßenverkehr

durch junge Menschen von dieser Zielgruppe überhaupt erwähnt werden.

Die Antworten wurden gegliedert in Angaben zu

Eine kurze Erläuterung zur Auswertung finden Sie am Ende der Seite.

Gehwege

Die Bewertung von Straßenabschnitten fiel sehr unterschiedlich aus: Nur drei Straßenabschnitte in verkehrsberuhigten Bereichen wurden fast einheitlich positiv; dagegen drei Abschnitte bis zu einem Drittel, ein Abschnitt etwa zur Hälfte und ein Abschnitt fast zu zwei Drittel negativ bewertet.

Bei der Befragung wurden ausdrücklich die unebenen Beläge der Gehwege – insbesondere auch in Bereichen von Ausfahrten - (46 Nennungen), das Fehlen einer Möblierung - insbesondere von Sitzgelegenheiten - und damit eine schlechte Aufenthaltsqualität (31), auf Gehwegflächen parkende Kraftfahrzeuge (27) und der zu hohe Lärmpegel (23) bemängelt (jeweils von insgesamt 187 Nennungen). An zweiter Stelle standen eine zu geringe Gehwegbreite (13), eine behindernde Baustellensituation (12) sowie der zu geringe Grünflächenanteil. Darüber hinaus wurden im Einzelnen genannt: der ungepflegte Stadtraum (6), fehlende Beleuchtung (5), die fehlende Trennung von Fuß- und Radverkehr (5), eine unklare Wegeführung (5), Müllcontainer auf dem Gehweg (3) und störender Geruch (3).

Bei den positiven Aspekten wurden breite Wege und ein gutes Platzangebot (97 Nennungen), ein möglichst großer räumlicher Abstand und eine gute optische Trennung zur Fahrbahn z.B. durch Bepflanzungen (90), Ruhe (47) sowie ein gutes Angebot von Stadtmöbeln – insbesondere Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Mülleimer- (39) genannt (jeweils von insgesamt 380 Nennungen). Häufiger wurden das geringe Kraftfahrzeug-Aufkommen begrüßt (19), der gute Zustand der Gehweg-Beläge (17), die gute Aufenthaltsqualität und damit der angenehme Straßenraum (12), das Vorhandensein von Cafés, Restaurants, Geschäften (9) und die separate Führung des Radverkehrs (8). Im Einzelnen fielen zudem eine interessante Randbebauung (6) übersichtliche Situationen und eine gute Raumausnutzung der Geh- und Aufenthaltsbereiche auf (4).

Als weitgehend angenehm empfunden wurde die Weimarer Straße in Berlin-Charlottenburg (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich folgende Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Gehwegen aus der Sicht junger Fachleute ableiten. Für besonders wichtig gehalten werden:

  • Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Mülleimer und andere Möblierungen von Flächen für die Nutzung und den Aufenthalt im Straßenraum;
  • ein gut genutztes Flächenangebot, ein möglichst großer räumlicher Abstand sowie eine gute optische und lärmtechnische Trennung zu den Flächen für den Kraftfahrzeugverkehr;
  • die Qualität der Wegebeläge, deren Beleuchtung und die Übersichtlichkeit in der Wegeführung sowie ein möglichst großer Grünflächenanteil sowie
  • die separate Führung des Radverkehrs.

Weitere Wünsche ergeben sich aus der oben angegebenen Zusammenfassung der negativen und positiven Aspekte.

Querungsanlagen

Querungsstellen wurden mit Ausnahme von zwei Übergängen in verkehrsberuhigten Bereichen alle deutlich überwiegend negativ beurteilt, nur eine davon erreichte knapp ein Drittel positive Beurteilungen.

Bei der Befragung standen die eingeschränkte Sichtbeziehung oder gar die Verhinderung der Nutzung von Querungsanlagen durch falsch abgestellte Kraftfahrzeuge an erster Stelle der Nennungen (60), gefolgt von fehlenden gesicherten Überwegen, verbunden mit einem zu langen Umweg (49), der ungünstigen Führung von Radfahrspuren im Kreuzungsbereich (21) und der Lärmbelästigung (18, jeweils von insgesamt 288 Nennungen). Darüber hinaus wurden fehlende Bordsteinabsenkungen (14), zu lange Wartezeiten (15), zu kurze Grünzeiten an Lichtsignalanlagen (13) und zu schmale Mittelinseln (13) bemängelt. Negativ bewertet wurden die schlechte Absicherung von Baustellen im Übergangsbereich (14), störende Poller (7) und auch zu lange Querungswege (6).

Bei den positiven Bewertungen wurden kurze Querungswege z.B. durch Fahrbahnverengungen (55 Nennungen), wiederum gute Sichtbeziehungen (44), im Wiederspruch zu den negativen Aspekten das Sicherheitsgefühl durch Poller (35) und die farbliche Abgrenzung des Überweges gegenüber der Fahrbahn (33) hervorgehoben (jeweils von 274 Nennungen). Darüber hinaus genannt wurden die Verkehrsberuhigung (23), breite Mittelinseln (19) und die Verhinderung des Falschparkens (10). Erstaunlich war, dass auch gerade in Kreuzungsbereichen Grünanlagen (14) und Sitzmöglichkeiten (8) gefordert wurden. Weitere Aussagen auf der Positiv-Seite entsprechen denen der Problemschilderungen mit anderen Vorzeichen.

Kaum Mängel angegeben wurden bei der Querungsanlage über die Schillerstraße (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich folgende Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Querungsstellen aus der Sicht junger Fachleute ableiten. Für besonders wichtig gehalten werden:

  • gute Sichtbeziehungen zwischen Fußgängerinnen und Fußgängern und den anderen Verkehrsteilnehmenden, z.B. durch Maßnahmen zur Verhinderung von Falschparken;
  • kurze Querungswege z.B. durch Fahrbahnverengungen im direkten Wegeverlauf, die deutlich gekennzeichnet sind;
  • fußgängerfreundliche Ampelschaltungen und breite Mittelinseln sowie
  • die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten.

Umstritten blieb, in welchen Fällen Poller in Übergansbereichen negativ (7) oder positiv (35 Nennungen) einzuschätzen sind. Weitere Wünsche ergeben sich aus der oben angegebenen Zusammenfassung der negativen und positiven Aspekte.

Plätze

Bei der Bewertung des innerstädtischen Platzes direkt neben einer flächenmäßig sehr großen Kreuzungsanlage mit großem Kreisverkehr waren sich die Teilnehmenden uneinig (die Hälfte negativ, die andere Hälfte positiv). Fast eindeutig war dagegen die positive Beurteilung eines ebenfalls recht großen innerstädtischen Platzes inmitten eines verkehrsberuhigten Bereiches.

In der Befragung stand der Lärmpegel (12 Nennungen) an der Spitze der negativen Beurteilungen, gefolgt von der ungünstigen Anlage des Fahrradweges (9) und der Trennung von Grünflächen durch einen Fahrweg (6, jeweils von 51 Nennungen). Kritisiert wurde darüber hinaus das Potenzial nicht vernünftig genutzter Freiflächen (5), die fehlende Barrierefreiheit (4), fehlende Sitzmöglichkeiten (4) und Grünflächen (4) sowie zu schmale Fußwege (3).

Positiv bewertet wurde in erster Linie die Großzügigkeit der Platzanlage und der Wege (17 Nennungen), die Begrünung (16) und allgemein die hohe Aufenthaltsqualität (15, von jeweils 92 Nennungen). Konkreter wurden die zahlreichen Sitzmöglichkeiten auch auf Treppenstufen (10), die vorhandenen Spielplätze (9), die Situation als ein sozialer Treffpunkt (6), der historische Charakter mit der Kirche und der Randbebauung (3) sowie die Ruhe (3) genannt.

Hohe Aufenthaltsqualität wurde dem Karl-August-Platz zugebilligt. (Foto: FUSS e.V., Bernd Herzog-Schlagk)

Daraus lassen sich nur wenige Wünsche an die Fußverkehrs-Infrastruktur von Stadtplätzen aus der Sicht junger Fachleute ableiten, da hier nur zwei sehr unterschiedliche Stadtplätze beurteilt wurden. Als allgemeine Aussagen können davon folgende Anforderungen genannt werden:

  • ein möglichst geringer Lärmpegel;
  • zusammenhängende Flächen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten durch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen (sitzen, spielen, Barrierefreiheit, etc.),
  • viel Grün und
  • großzügige Wegesysteme.

 

Erläuterung

Von 30 Personen (19 männlich, 8 weiblich, 3 ohne Angabe, Durchschnittsalter 27 Jahre) wurden die Wege-Protokolle ausgewertet. In den Bewertungen wurden keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmenden festgestellt.

Interpretationen wurden weitestgehend vermieden. Die Aussagen mussten allerdings teilweise für die hier behandelte Thematik umformuliert werden. Auf eine formal korrekte Zitierweise aus den ohnehin anonymen Bögen wurde zugunsten der besseren Lesbarkeit verzichtet, die Aussagen wurden in der Auswertung der Wege-Protokolle im Original abgebildet.

Abgefragt wurden die Eindrücke an 7 kurzen Straßenabschnitten, 8 Querungsanlagen und zwei Plätzen. Die in Klammern gesetzte Anzahl der Nennungen kann lediglich als eine Trendaussage verstanden werden, da die Angaben sehr stark auf die örtliche Situation bezogen sind.

 

Sie finden Informationen zur angewandten Methode und eine ausführliche Auswertung der Wege-Protokolle mit Fotos, die eine genauere Zuordnung der Aussagen zu den Straßenabschnitten, Querungsanlagen und Plätzen zulassen.