Foto: Bernd Herzog-Schlagk, FUSS e.V.)

Es wurden folgende drei Fragen zur Verkehrsmittelwahl gestellt:

Die Befragung konzentrierte sich hauptsächlich auf die Belange des Fußverkehrs, da sie Teil der Zielgruppen-Recherchen für die Erarbeitung von kommunalen Fußverkehrsstrategien darstellt (siehe www.fussverkehrsstrategie.de).

Eine kurze Erläuterung der Methode finden Sie am Ende.

Verkehrsmittel junger Menschen

Es mag nicht verwundern, dass fast 80 % der befragten jungen Menschen öffentliche Verkehrsmittel häufig benutzen und lediglich 20 % angaben, dass sie dies seltener tun. Erstaunlich ist es dagegen, dass über 70 % häufig zu Fuß unterwegs sind, nur 30 % „seltener“ angaben und als einziges Verkehrsmittel logischerweise niemand der Befragten angab, „nie“ Fußgänger zu sein. Dagegen ist die Fahrradnutzung selbst in dieser Altersgruppe mit über 35 % noch immer nur halb so ausgeprägt, wie das Zu-Fuß-Gehen. Unerwartet, dass damit fast 65 % angaben, das Fahrrad nur selten oder nie (33 %) zu benutzen.

 

 

Nur wenige der Befragten gaben an, das Auto als FahrerIn (knapp 8 %) bzw. MitfahrerIn (13 %) häufiger zu nutzen, obwohl mehr als 70 % der Befragten einen Führerschein haben könnten. Wenn die Aussagen dieser punktuellen Befragung übertragbar sind, könnte negativ daraus gefolgert werden, dass Aktivitäten zur nachhaltigeren Verkehrsmittelwahl bei dieser Generation kaum zu einer Veränderung des Modal-Split zugunsten des Umweltverbundes führen werden. Es sind lediglich Veränderungen und Verschiebungen zwischen dem Fuß-, Rad- und ÖPNV-Anteil zu erreichen und dies kann nicht Ziel einer klimaorientieren Verkehrspolitik sein. Positiv gefolgert werden könnte, dass es jetzt darauf ankommen muss, diese Generation auch zukünftig stärker an den Umweltverbund zu binden.

Kriterien für die Verkehrsmittelwahl

Nach Aussagen der jungen Leute standen bei ihnen die „Zeitersparnis“ und die „Selbstbestimmtheit“ mit etwa 75 % der Nennungen an der Spitze der Entscheidungskriterien für die Verkehrsmittelwahl. Dann folgten die „Bewegung“ mit über 60% und die eigene „Gesundheit“ sowie die Kosten mit jeweils knapp 60%. Daraus kann durchaus gefolgert werden, dass die jungen Leute am Zu-Fuß-Gehen und am Radfahren aus diesen beiden Beweggründen starkes Interesse haben. Dagegen spielt die „Nachhaltigkeit“ im Sinne des Umweltschutzes mit etwa 40 % offensichtlich eine geringere Rolle und die „Verkehrssicherheit“ wurde lediglich von etwa 20 % der Befragten als wesentlich genannt.

 

 

Bei einer parallel durchgeführten Befragung von Fachleuten vermuteten dagegen 95 %, dass die eigene „Gesundheit“ und die „Nachhaltigkeit“ bei jungen Menschen weniger oder kein Kriterium für die Verkehrsmittelwahl darstelle und die „Bewegung“ (90 %) ebenfalls eine geringere Rolle spielt. Mehr darüber in der Rubrik Fachbefragung.

Hauptgründe für das Zu-Fuß-Gehen

Bei der Straßenbefragung von jungen Leuten standen die „unkomplizierte Zurücklegung kurzer Wege“ mit über 80 % und die „Erreichung öffentlicher Verkehrsmittel“ mit etwa 75 % an der eindeutigen Spitze der Gründe für das Gehen. Darauf folgten der „Fitness“-Aspekt des Gehens mit knapp 50 % der Nennungen. Von mehr als 40 % wurde als Grund genannt, dass andere der Altersgruppe auch unterwegs sind, und von knapp 40 % der „Spaziergang“, um sich mit anderen zu unterhalten. Mit nur 20 % der Nennungen ziemlich abgeschlagen wurden als Grund „fehlende Alternativen“ genannt. Die jungen Leute sind also stark daran interessiert, durch Gehen fit zu bleiben und sich beim Spaziergang zu unterhalten und sie tun dies offensichtlich bewusst und freiwillig.

 

 

Die Ergebnisse der Befragung von Fachleuten lieferte auch hier teilweise ein völlig anderes Bild: 70 % vermuteten, dass den jungen Leuten Alternativen zum Zu-Fuß-Gehen fehlen. Für bedeutungslos wurde als Grund der Spaziergang, um sich zu unterhalten (15 %) und um fit zu bleiben (0 %) eingestuft. Mehr darüber in der Rubrik Straßenbefragung.

Antworten auf die Fragestellung, was die jungen Leute zu mehr Gehen anregen könnte, finden Sie unter Motivation zum Gehen.

Erläuterung der Methode:

Die 52 Befragungen von Jugendlichen ab dem Alter von 13 Jahren bis zu jungen Erwachsenen im Alter von 25 Jahren (Durchschnittsalter 20 Jahre, davon 27 männlich und 25 weiblich) zu ihrem Verkehrsverhalten waren nicht sehr einfach durchzuführen, obwohl die Interviewer ebenfalls junge Erwachsene in der gleichen Altersgruppe waren. Auffällig war, dass die Angesprochenen entweder deutliches bis überbetontes Desinteresse bekundeten oder überaus redselig reagierten. Einzelpersonen waren schüchtern und/oder in Eile, Gruppen ab drei Personen waren kaum ansprechbar und fühlten sich in ihren Gesprächen gestört. Zweier-Gruppen waren am leichtesten anzusprechen, wobei in der Regel nur eine Person die Fragen beantwortete und die andere Person dem Gesagten eher zustimmte und sich nur bei der Frage nach der Motivation beteiligte. Dadurch kann man die Fallzahlen fast verdoppeln, wobei allerdings nicht klar ist, ob eine Einzelbefragung wirklich zu den gleichen Ergebnissen führen würde.

Die Befragungen sollten ursprünglich in unmittelbarer Nähe von Schulen in den Pausenzeiten durchgeführt werden. Dies erwies sich als nicht zielführend, da der Unterricht offensichtlich nicht nach Unterrichtsplan unterbrochen wurde. Letztlich fanden die Befragungen im normalen Stadtgeschehen am S-Bahnhof Wedding, am U-Bahnhof Voltastraße, am U-Bahnhof Pankstraße und am Rosenthaler Platz an drei Tagen durch zwei Personen statt.

Unterschiede zwischen den Aussagen von männlichen und weiblichen Teilnehmenden wurden bei dieser Befragung nicht gesondert untersucht.